Schwindelanfälle: körperliche oder seelische Ursachen?
Ursachen von Schwindel
In einem Moment schlendert man entspannt durch die Einkaufsstraße und im nächsten hält man sich taumelnd am nächstbesten Geländer fest, weil man von einer Schwindelattacke heimgesucht wird: Orientierungslosigkeit, flatterige Nerven und eine flaues Gefühl im Magen; auch wenn eine Schwindelattacke in der Regel nach wenigen Momenten vorüber ist, lässt sie die Betroffenen oft unsicher und mit der Frage zurück: „Wann kommt der nächste Schwindelanfall?“
Schwindel ist ein Symptom für eine organische oder neurologische Erkrankung und kann auch bei Stress auftreten. Er ist ein Indikator dafür, dass innerlich etwas aus dem Lot geraten ist und kann wertvolle Aufschlüsse über den eigenen Gesundheitszustand liefern. Ein guter Moment also, einen Blick auf die eigene Befindlichkeit und mögliche Ursachen des Schwindels zu werfen.
Schwindelattacken treten häufiger auf, als man denkt. Ausprägung, Intensität und Dauer lassen einen ersten Rückschluss auf die Art des Schwindels zu und ebnen den Weg zur Diagnose der Schwindelursache. Schwindel ist zunächst einmal nur ein Gefühl – wenn auch ein sehr intensives – und somit schlecht messbar. Dennoch können die verschiedenen Schwindelarten ein aussagekräftiges Symptom für eine Vielzahl von Erkrankungen sein. Bei der Diagnose spielt auch das Alter der Betroffenen eine Rolle, denn: Je älter man wird, desto öfter kann es zu Schwindelanfällen kommen.
In den meisten Fällen lässt sich die Ursache für einen akuten Schwindel nicht sofort feststellen, da das Schwindelgefühl nach einiger Zeit von selbst verschwindet. Was bleibt, sind jedoch oft Unsicherheiten beim Stehen und Gehen – besonders bei älteren Menschen.
Schwindelanfälle treffen ca. 20 % der Menschen unter 65. Über 65-Jährige bilden eine besondere Risikogruppe, denn: ca. 30 % der über 65-Jährigen leiden regelmäßig unter Schwindel. Sie sind zudem einem höheren Risiko zu Stürzen oder gar Ohnmachtsanfällen ausgesetzt, die ernste gesundheitliche Folgen bis hin zur Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen können. Schwindel, die Angst vor Stürzen in Verbindung mit einer erhöhten Unsicherheit im Alltag sind besonders im höheren Alter sehr belastend für die Betroffenen.
Akuter Drehschwindel beim Aufstehen oder Wechsel der Kopflage von einer Seite zur anderen heißt Lagerungsschwindel und ist die häufigste Form, unter der vor allem ältere Schwindelpatienten zu leiden haben. Im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtszentrum. In dessen Bogengängen sind feinste Kalziumkarbonatkristalle (Otolithen) angesiedelt, die für die Erhaltung des Gleichgewichtssinns sorgen. Diese Kristalle lösen sich u. a. im Alter bei ruckartigen Bewegungen (wie beim Aufstehen oder Umdrehen) aus der sie umgebenden Membran und reizen die Sinneszellen im Ohr, was wiederum zu Schwindelanfällen führt. Die gute Nachricht: Drehschwindel ist durch Lagerungsübungen – wie dem Epley- und Semont-Manöver – zu behandeln.
Gehen mit dem Drehschwindel andere Symptome, wie z. B. Ohrgeräusche (Tinnitus) oder eine Verringerung der Hörleistung einher, ist die Ursache häufig auf eine Erkrankung des Innenohrs zurückzuführen. In diesem Fall bietet sich eine medikamentöse Therapie an.
Plötzlich auftretender Schwankschwindel mit akuter Fallangst und dem Gefühl einer Stand- und Gangunsicherheit tritt in der Regel in bestimmten Situationen auf (z. B. beim Überqueren von Brücken oder auch während des Gehens in großen, leeren Räumen). Dieser Schwindelart liegt auch eine psychische Ursache zugrunde, denn seelischer Stress kann dafür sorgen, dass man buchstäblich „aus seiner Mitte fällt“. Eine Verhaltenstherapie mit medikamentöser Unterstützung kann an dieser Stelle für Abhilfe sorgen.
Akuter und nur wenige Sekunden andauernder Schwindel kann aufgrund von Erkrankungen, die die Durchblutung im Gleichgewichtszentrum oder Gehirn stören, ausgelöst werden. Zu diesen organischen Auslösern zählen kurzzeitige Herz-Rhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Kreislaufprobleme oder Atemnot. Betroffene beschreiben häufig auch ein Ohnmachtsgefühl, welches mit einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins einhergeht.
Auch das Schwarzwerden vor den Augen wird häufig als Schwindel bezeichnet, wenngleich dieses aber eher auf eine (meist harmlose) Fehlregulation des Blutkreislaufs (z. B. Blutdruckabfall nach schnellem Aufstehen) verursacht wird.
Mit Schwindelanfällen umgehen lernen kann sich zunächst anfühlen, als ob man ein Puzzle zusammensetzt, aber die Chancen stehen gut, dass die Stücke sich zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Je mehr man über sich und den auftretenden Schwindel lernt, desto eher ist eine Diagnose und Therapie möglich. Die meisten Schwindelformen sind gut bis sehr gut behandelbar, auch wenn den Betroffenen diese Tatsache im Moment der Schwindelattacke zunächst nicht bewusst ist.
Wichtig für die Diagnose und Behandlung von Schwindel: Ein Schwindeltagebuch kann helfen, die Schwindelattacken zu dokumentieren. Diese Notizen geben außerdem wertvolle Aufschlüsse darüber, wie oft, in welcher Form und in welcher Intensität der Schwindel auftritt.
Der Leidensdruck der Betroffenen ist häufig hoch: Gangunsicherheiten lassen sie wie betrunken wirken und es kommt oft vor, dass die akuten Schwindelgefühle von Außenstehenden zunächst nicht ernst genommen werden. Auch Autofahren ist für Schwindelpatienten mit hohen Risiken verbunden, weil jederzeit unvorhersehbar Schwindel auftreten kann! Betroffene sollten in jedem Fall ein Mobil-Telefon bei sich tragen, um in Notfällen Hilfe holen zu können.
Ändert sich die Häufigkeit und Intensität der Schwindelanfälle, sollten Sie einen HNO-Arzt zur ersten Abklärung der möglichen Ursache aufsuchen. Sollte der Auslöser Ihres Schwindels nicht in einer Funktionsbeeinträchtigung des Gleichgewichtssinns liegen, wird er Sie je nach Beschwerdebild an einen anderen Facharzt oder einen psychotherapeutisch-tätigen Kollegen überweisen. Informieren Sie sich, ob es eine Schwindelambulanz in Ihrer Nähe gibt, die Sie im Falle eines plötzlichen Schwindelanfalls aufsuchen können.
Da es sich bei Schwindel um ein Symptom handelt, ist eine umfassende ärztliche Untersuchung sehr wichtig für die Diagnose und anschließende Behandlung. In der Diagnostik werden die Schwindelursachen möglichst exakt und schnell bestimmt. Das erfolgt idealerweise in Form einer umfassenden Anamnese und sinnvoll aufeinander aufgebauter Testverfahren, wie z. B. einer Nystagmus-Untersuchung, eines Kopfimpulstests (KIT) oder auch neurologischer Diagnoseverfahren.
Schwindel kann – wenn er häufiger auftritt – mit Ängsten und Unsicherheiten einhergehen, die den Alltag signifikant erschweren. Aus Angst vor einem Schwindelanfall neigen viele Betroffene dazu, lieber zu Hause zu bleiben, um einer möglichen Gefahrensituation von vornherein aus dem Weg zu gehen. Diese Form der Isolation macht jedoch auf Dauer unglücklich.
Deshalb: Sprechen Sie darüber, suchen Sie den Kontakt zu Ihrem behandelnden Hausarzt oder in der Schwindelambulanz. Es gibt viele medikamentöse und manuelle Therapiemöglichkeiten, mit denen plötzlich auftretender Schwindel gut in den Griff zu bekommen ist.
Ursachen von Schwindel
Schwindelanfälle: körperliche oder seelische Ursachen?
4-fach effektiv und wirksam
bei Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen